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18.12.2020
Various Artists

Tiger mit Soul-Stimme - weltweit erste Tom-Jones-Albumbox

Zum 80. Geburtstag der R&B- und Pop-Legende bringt Decca eine Box heraus, die erstmals alle Studioalben, Singles und Raritäten seiner ersten zehn Karrierejahre enthält.

Various Artists, Tiger mit Soul-Stimme - weltweit erste Tom-Jones-Albumbox Tom Jones - The Complete Decca Studio Albums Collection

Als Tom Jones am 7. Juni dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feierte, kündigte er mit reichlich Nachdruck an, dass er bis zum letzten Atemzug singen werde. An Selbstvertrauen hat es dem stimmgewaltigen Sänger, der von seinen weiblichen Fans einst den Spitznamen “Tiger” verpasst bekam, wahrlich nie gemangelt. Und ohne diese unerschütterliche Selbstsicherheit hätte er wohl auch kaum den Aufstieg aus einer walischen Kohlekleinstadt auf die große Weltbühne bewältigen können. Die aufregenden ersten zehn Karrierejahre möchten wir zum Jubiläum in einem zweiteiligen Artikel etwas genauer unter die Lupe nehmen. Musikalisch und sehr ausführlich tut dies auch die gerade erschienene CD-Box “The Complete Decca Studio Albums Collection”, die gerade noch rechtzeitig erscheint, um unter Tannenbäume gelegt zu werden.

Auf insgesamt 17 CDs versammelt die handliche, prallvoll gefüllte Box erstmals sämtliche Aufnahmen, die Tom Jones zwischen 1965 und 1975 für das Label Decca gemacht hat: fünfzehn Studioalben mit internationalen Hits wie “What’s New Pussycat”, “It’s Not Unusal”, “I’ll Never Fall In Love Again”, “Delilah” und “She’s A Lady”, plus zwei Bonus-CDs mit allen nur als Singles veröffentlichten Nummern, seltenen B-Seiten und Archivaufnahmen, die nie zuvor auf CD erhältlich waren. Sie zeichnen das Bild eines Sängers, den die New York Times 2008 als einen “musikalischen Gestaltwandler” bezeichnete, weil er in seiner langen Karriere so ziemlich alles erfolgreich gemacht hat: von Rhythm and Blues und Soul über Pop und Gospel bis hin zu Country- und Club-Musik.

 

Vom Staubsaugervertreter zum Beatsänger

Thomas John Woodward kam am 7. Juni 1940 als Sohn eines Bergmanns und einer Hausfrau im südwalisischen Pontypridd zur Welt. Schon in jungen Jahren entdeckte er seine Liebe zur Musik und zum Singen. Während er der Schule und sportlicher Betätigung nichts abgewinnen konnte, blühte Tom auf, wenn er im Familienkreis, bei Hochzeiten oder im Schulchor singen durfte. Mit zwölf Jahren erkrankte er an Tuberkulose und musste, wie er sich später erinnerte, “zur Genesung zwei Jahre im Bett verbringen. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.” Immerhin nutzte er sie, um viel Musik zu hören - besonders angetan hatten es ihm Aufnahmen amerikanischer Soul-, R&B-, Blues- und Rock’n’Roll-Sänger, an denen er sich mit seiner rauen, bluesigen Stimme orientierte.

Kaum wieder auf den Beinen, warf er die ohnehin unnütze Schule hin und heiratete seine ebenfalls noch minderjährige Freundin, die bereits ein Kind von ihm erwartete. Um die junge Familie durchzubringen, jobbte er als Helfer auf dem Bau und verdingte sich sogar als Staubsaugervertreter. Bevor er jedoch zum „most sexy“ Staubsaugervertreter von Wales gekürt werden konnte, besann sich Tom wieder auf seine eigentliche Leidenschaft und begann als Sänger der Beatband Tommy Scott and the Senators durch die Gegend zu tingeln. Die Band konnte zwar ein paar Nummern in einem Studio aufnehmen, fand für diese aber keine Plattenfirma als Abnehmer. Bei einem der Auftritte der Band befand sich zufällig der in London lebende, aber aus Südwales stammende Musikmanager Gordon Mills im Publikum. Er war von Toms Bühnenpräsenz und Gesangstalent so beeindruckt, dass er ihn mit nach London und unter seine Fittiche nahm.

In Anlehnung an die seinerzeit erfolgreiche Filmkomödie “Tom Jones” verpasste Mills ihm den Künstlernamen, unter dem ihn heute jeder kennt, und besorgte ihm einen Plattenvertrag bei Decca Records. Die Ende 1964 veröffentlichte Single “Chills And Fever” erwies sich zwar noch als Flop. Aber schon mit dem Nachfolger, dem Ohrwurm “It’s Not Unusual”, gelang Tom Jones der erste internationale Hit. Es war der Auftakt für eine Weltkarriere, die nun schon seit 55 Jahren anhält.